Stellwerk, Deutsche Bahn, DB Netz AG, Initiative Bahn

Stellwerke – die Schlagadern im Bahnverkehr

Rund 40.000 Züge im Personen- und Güterverkehr sind jeden Tag auf dem deutschen Schienennetz unterwegs und bringen die Reisenden und Güter verlässlich an ihr Ziel. Eine moderne Steuerung garantiert Sicherheit und Zuverlässigkeit im Bahnbetrieb. Welcher Zug fährt wann auf welchem Gleis? Und wer sorgt dafür, dass die Züge auf den Strecken freie Fahrt haben?

Für einen reibungslosen Zugverkehr sind sogenannte Stellwerke zuständig, die sich direkt an den Gleisen, oft in Bahnhofsnähe, befinden. In den Bahnanlagen haben Fahrdienstleiter ihren Arbeitsplatz. Sie geben den Triebfahrzeugführern die richtigen Signale und stellen die entsprechenden Weichen. "Fahrdienstleiter sind ein bisschen vergleichbar mit den Fluglotsen im Tower. Sie sorgen dafür, dass der Fahrweg eingestellt wird und frei für den Zug ist", sagt Tobias Hauschild, Leiter Betrieb bei der DB Netz AG (Produktionsdurchführung Düsseldorf). Als Tochter der Deutschen Bahn AG betreibt das Eisenbahninfrastrukturunternehmen aktuell rund 87,5 Prozent des über 33.000 Kilometer umfassenden deutschen Schienennetzes.

Verschiedene technische Ausprägungen

Deutschlandweit gibt es heute insgesamt 3.090 Stellwerke, in Nordrhein-Westfalen stehen 401 dieser Bahnanlagen. Von mechanischen Stellwerken über elektromechanische und Relais-Stellwerken bis hin zu modernen elektronischen Stellwerken sind die technischen Ausprägungen verschieden. "Im Prinzip funktionieren sie aber alle gleich. Der Unterschied liegt im Grad ihrer Automatisierung", erklärt Hauschild.

Mechanische Stellwerke sind seit Ende des 19. Jahrhunderts in Betrieb. Hier ist Muskelkraft der Bahn-Mitarbeiter gefragt, denn sie stellen die Signale und Weichen über Hebel und Drahtzüge. Bei den elektromechanischen Stellwerken, die seit gut 100 Jahren im Einsatz sind, entfällt die körperlich schwere Arbeit. Die Weichen und Signale bringen sich über elektrische Impulse in Position. Wie in einem mechanischen Stellwerk muss sich der Fahrdienstleiter aber noch augenscheinlich davon überzeugen, dass das Gleis auch wirklich frei ist.

Fortschreitende Automatisierung

Das erste rein elektrische Stellwerk wurde 1949 fertig gestellt. Die Gleispläne der Bahnhöfe und angrenzenden Streckenabschnitte sind in diesen Relais-Stellwerken schematisch auf besonderen Stelltischen abgebildet. Auf diesen werden alle Bedienhandlungen vorgenommen und Betriebszustände angezeigt. Die modernste Bauart ist das elektronische Stellwerk, das bei der Deutschen Bahn seit 1988 in Betrieb ist. Die Fahrdienstleiter stellen Signale und Weichen nun per Mausklick und können so weitaus größere Bereiche steuern und überwachen. So arbeiten viele Fahrdienstleiter heute von zentralen Betriebszentralen oder großen Zentralstellwerken in der Region aus, wodurch ein hoher Automatisierungsgrad in der Steuerung des Bahnbetriebs erreicht wird. Eine der insgesamt sieben bundesweiten Betriebszentralen, in denen auch die übergreifende Disposition aller Zugfahrten bei Abweichungen vom Fahrplan erfolgt, befindet sich in Duisburg.

Aktuell zählt Nordrhein-Westfalen 50 elektronische Stellwerke, die übrigen 351 Bahnanlagen verteilen sich auf die weiteren genannten Bauarten. DB Netz verfolgt den Weg hin zu einer modernen Leit- und Sicherungstechnik auch in Zukunft weiter und plant, nach und nach neue elektronische Stellwerke in NRW zu bauen. Ein Investitionsprogramm gebe es bereits, so Hauschild. Allein in NRW investiert die Bahn bis 2020 rund 660 Millionen Euro in die neue Stellwerkstechnik. Das derzeit im Bau befindliche elektronische Stellwerk in Wuppertal kostet rund 32 Millionen Euro.