Dr. Wilhelm Schmidt-Freitag, Geschäftsführer Nahverkehr Rheinland (NVR), System Nahverkehr

Mehr Wettbewerb auf der Schiene

Dr. Wilhelm Schmidt-Freitag, Geschäftsführer Nahverkehr Rheinland (NVR), im Gespräch über die Auswirkungen und die weitere Entwicklung des Wettbewerbs sowie über die Rolle des NVR im „System Nahverkehr“.

Im Zuge der Bahnstrukturreform wurde die Verantwortung des SPNV 1996 auf die Länder bzw. auf die zuständigen Aufgabenträger übertragen. Welche Bilanz ziehen Sie heute?

Eine durchweg positive. Wir haben heute ein quantitativ und qualitativ verbessertes Angebot auf der Schiene. Dies hat zu deutlich mehr Fahrgästen geführt. Barrierefreiheit, guter Service sowie modernes Fahrzeugmaterial begleiten diese Entwicklung. Auch die Bahnhöfe und Haltepunkte wurden vielerorts saniert oder neu gebaut. Ohne den Wettbewerb wären diese Erfolge nicht zustande gekommen.

Inwiefern?

Mittlerweile erbringen in NRW zehn Eisenbahnverkehrsunternehmen rund 100 Millionen Zugkilometer im Jahr. Das sind ein Drittel mehr als vor der Bahnreform. Etwa 45 Prozent davon sind im Rahmen von Ausschreibungen vergeben worden. Diese Wettbewerbsquote wird sich in den nächsten Jahren kontinuierlich erhöhen.

Welche Rolle übernimmt der NVR im "Gesamtsystem Nahverkehr"?

2008 hat das Land die Strukturen der Nahverkehrslandschaft neu geordnet. Seitdem sind wir als Zweckverband für die Planung, Organisation und Finanzierung des Nahverkehrsangebots auf der Schiene sowohl im Verkehrsverbund Rhein-Sieg als auch im Aachener Verkehrsverbund zuständig. Mit Erfolg haben wir in den vergangenen Jahren mehrere Wettbewerbsverfahren durchgeführt, so zum Beispiel die Regional-Express-Linie 9, die Mittelrheinbahn, das Kölner Dieselnetz und natürlich der RRX, den wir gemeinsam mit dem Nahverkehr Westfalen-Lippe und dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr umgesetzt haben.

Was zählt noch zu den Aufgaben des NVR?

Zwischen dem Oberbergischen Kreis und der belgischen sowie niederländischen Grenze leben über 4,5 Millionen Menschen, deren Mobilitätsbedürfnis stetig wächst. Daher kümmern wir uns um die finanzielle Abwicklung und Förderung von kleinen und großen Infrastrukturprojekten. Das fängt bei der einfachen Haltestelle im ländlichen Raum an und hört bei der Kölner Nord-Süd-Stadtbahn auf.

Was sind für Sie die großen Herausforderungen der Zukunft?

Die größte Herausforderung ist es, für ein attraktives SPNV-Angebot in der Region zu sorgen - und das bei weiterhin steigender Nachfrage, Kapazitätsengpässen in der Eisenbahninfrastruktur und schwindenden finanziellen Mitteln. Daher engagiert sich der Zweckverband Nahverkehr Rheinland massiv auf allen Ebenen, um einen zukunftsgerechten Infrastrukturausbau zu erreichen und das Angebot auf der Schiene noch stärker der wachsenden Nachfrage anzupassen.