Die Entflechtung des Bahnknotens Köln

Rund um Köln sind Staus an der Tagesordnung. Und das gilt nicht nur für die Straße, sondern ebenso für den Bahnverkehr. Die Kapazitätsgrenze des Schienennetzes rund um die Domstadt ist erreicht, es kommt zu Engpässen. Um steigenden Anforderungen gerecht zu werden, ist der Ausbau des Bahnknotens dringend erforderlich.

Der Kölner Eisenbahnring gehört zu den am stärksten frequentierten Verkehrsknotenpunkten in Deutschland. 1.200 Züge fahren hier täglich ein und aus. Dabei teilen sich Güter-, Fern und Nahverkehrszüge - inklusive der S-Bahn Köln - die Gleise. Ein Nadelöhr, welches die Schieneninfrastruktur rund um den Kölner Hauptbahnhof immer öfter an ihre Belastungsgrenzen stoßen lässt. "Kommt es bei einem dieser Systeme zu einer Verzögerung, wirkt sich diese sofort auf die beiden anderen aus. Die Folge sind Verspätungen und Zugausfälle", sagt Dr. Norbert Reinkober, Geschäftsführer Nahverkehr Rheinland (NVR).

Gemeinsam mit der DB Netz AG und dem Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen setzt sich der NVR daher für die Entflechtung des Bahnknotens Köln ein. "2012 haben wir ein Gutachten veröffentlicht, das ein Gesamtkonzept für den Ausbau des Eisenbahnrings vorsieht", so Reinkober weiter. Das Gutachten spricht sich statt für ein Großprojekt für 15 kleinere Infrastrukturmaßnahmen aus, die auch jede für sich allein umsetzbar sind. "Ein wesentliches Ziel des Konzeptes ist es, den Regionalbahn-Verkehr von den Gleisen des Fernverkehrs auf bestehende oder neu hinzukommende S-Bahn-Linien zu verlagern. Das trägt zur Entlastung des Fernverkehrs bei", sagt Dr. Michael Häßler, Leiter Vertrieb und Fahrplan im Regionalbereich West der DB Netz AG.

Im Fokus steht die S-Bahn Köln

Kernstück des Gesamtkonzepts ist der Ausbau der S-Bahn Köln. Um die Kapazität der S-Bahn-Stammstrecke zu steigern, sind verschiedene Baumaßnahmen nötig. Dazu zählt zum Beispiel die Modernisierung der Leit- und Sicherungstechnik, die eine Taktverdichtung von bisher 3,3 Minuten auf 2,5 Minuten gewährleistet. Darüber hinaus ist der zweigleisige Ausbau der S 11 zwischen Köln-Dellbrück und Bergisch Gladbach geplant. Der Kölner Hauptbahnhof und der Bahnhof Messe/Deutz sollen zudem einen weiteren S-Bahnsteig mit zwei Gleisen erhalten und die Erftbahn (RB 38) in eine S-Bahn umgewandelt werden. Eine gesicherte Finanzierungsgrundlage gibt es zwar noch nicht.

Finanzierungsgrundlage schaffen

Das Land NRW hat das Maßnahmenbündel aber bereits für den Bundesverkehrswegeplan (BVWP) angemeldet. Dort konkurriert es jedoch mit rund 460 weiteren zu finanzierenden Infrastrukturprojekten. "Den Knoten Köln als einen wichtigen Bestandteil der Netzkonzeption 2030 der DB Netz AG werden wir mit besonderem Augenmerk verfolgen", so Häßler. Beim geplanten Ausbau der S 11 und S-Bahn-Stammstrecke wird es dagegen schon konkreter: NVR, DB Netz AG, DB Station&Service und das Land NRW stehen kurz vor einer Vereinbarung zur Finanzierung der ersten beiden Planungsphasen. Im Anschluss könnte die Baumaßnahme aus dem Topf des Gemeindefinanzierungsgesetzes (GVFG) bezahlt werden.

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Hurbertus Bardt: IW Köln
Züge im Hbf: Deutsche Bahn AG