Jürgen Fenske sprach über die Situation im Kölner ÖPNV.

Der Großraum Köln braucht mehr Schiene

Bei der Podiumsdiskussion des Kölner Stadt-Anzeigers am 24. November 2015 waren sich die Leserinnen und Leser im Publikum sowie die Experten vor allem in einem Punkt einig: Der Bahnknoten Köln muss dringend entzerrt werden. Knapp zwei Stunden lang nutzten die Fahrgäste die Gelegenheit, Branchenvertretern Fragen zu stellen, mit Entscheidern aus Politik, Aufgabenträger- und Unternehmenskreisen zu diskutieren und ihnen Anregungen mit auf den Weg zu geben.

Trotz des nass-kalten Wetters mit ersten Schneeflocken fanden rund 120 Leserinnen und Leser den Weg in die Kölner Innenstadt, um im "studio dumont" mit NRW-Verkehrsminister Michael Groschek, Dr. Norbert Reinkober, Geschäftsführer Nahverkehr Rheinland, Jürgen Fenske, Vorstandsvorsitzender Kölner Verkehrs-Betriebe, sowie Heinrich Brüggemann, Vorsitzender der Geschäftsleitung von DB Regio NRW, über ihre Erfahrungen im Nahverkehr zu diskutieren. Darüber hinaus erörterten sie gemeinsam Lösungen, wie bereits "kleine Stellschrauben" zu spürbaren Verbesserungen im stark ausgelasteten Schienenverkehr im Rheinland führen können. Im Publikum vertreten waren zudem Michael Schröder, Geschäftsführer von trans regio, und Hans-Werner Ignatowitz, Vorsitzender des Regionalverbandes Rhein-Sieg im Fahrgastverband PRO Bahn, die ebenfalls auf die Fragen der anwesenden ÖPNV-Nutzer eingingen. Im Vorfeld hatte der Kölner Stadt-Anzeiger eine redaktionelle Serie unter dem Titel "Sie sind am Zug" veröffentlicht, bei der die Leserinnen und Leser bereits aufgefordert waren, zur Qualität des Nahverkehrs in der Region Stellung zu beziehen.

Durch die Podiumsdiskussion führte der Chef der Lokalredaktion Köln des Kölner Stadt-Anzeigers, Christian Hümmeler, der zunächst die Podiumsteilnehmer dazu aufforderte, ein kurzes Statement abzugeben. Dabei stellte sich schnell heraus, dass vor allem die unzureichende Infrastruktur in NRW die Branche umtreibt. "Köln platzt aus allen Nähten. Das Schienennetz muss dringend ertüchtigt und massiv ausgebaut werden", stellte Minister Groschek gleich zu Beginn der Veranstaltung heraus. Und Norbert Reinkober ergänzte: "Die Zugfolge ist mittlerweile so eng, dass keine weiteren Züge im Kölner Hauptbahnhof Platz finden." Die Problematik drückte Michael Schröder in Zahlen aus: "Die Trassen sind derzeit zu mehr als 90 Prozent belegt. Dabei können schon 85 Prozent Auslastung zu einem Kollaps führen."

Entlastung auf der Schiene durch RE 6a

Überlastet ist vor allem der Korridor zwischen den Metropolregionen Düsseldorf und Köln, in dem täglich Tausende Pendler unterwegs sind. Die Fülle in manchen Zügen sei mittlerweile unzumutbar - so war es mehrfach aus dem Publikum zu hören. "Wir brauchen mehr Schiene, insbesondere zwischen Düsseldorf und Köln", forderte auch Heinrich Brüggemann. Allerdings könne man darauf nicht warten, gehandelt werden müsse schon heute: "Trotz mangelnder Infrastruktur muss es uns gelingen, das bestmöglichste Angebot auf die Schiene zu bringen." So wird es im Bahnverkehr zwischen Düsseldorf, Domstadt und Köln/Bonn-Flughafen bereits zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2015 zusätzliche Kapazitäten geben. Mit Betriebsaufnahme der neuen Linie RE 6a verkehrt dann stündlich ein weiterer Zug zwischen den Metropolen, der jedoch nicht wie der RE 1 und der RE 5 die rechtsrheinische Streckenführung über Leverkusen nutzt, sondern linksrheinisch über Neuss und Dormagen pendelt - ein zusätzliches Angebot im Vorfeld des Rhein-Ruhr-Express (RRX). Dieser soll in einigen Jahren einen stabilen 15-Minuten-Takt zwischen Dortmund und Köln sicherstellen.

Miteinander im Dialog bleiben

Auch im Kölner Stadtbahn-Verkehr kommt es immer wieder zu Engpässen. "Nehmen wir zum Beispiel den Neumarkt. Hier gibt es zu Spitzenzeiten keinen Platz mehr in den Fahrzeugen", sagte Jürgen Fenske. So sei der Bau der Nord-Süd-Stadtbahn, der insgesamt eine Milliarde Euro gekostet hat, längst überfällig gewesen. "Damit darf es jedoch auch nicht aufhören, denn Köln ist eine Stadt, deren Bevölkerung weiter anwachsen wird", so Fenske weiter. Weitere Diskussionsthemen waren die aus Sicht der Leserinnen und Leser zu hohen Ticketpreise, die betrieblichen Probleme im Kölner Dieselnetz sowie die mögliche Reaktivierung von Strecken im südlichen Rheinland. "Infrastruktur ist das Thema Nummer 1, aber wir müssen auch  bei den kleineren Mängeln miteinander reden", betonte Hans-Werner Ignatowitz. Dafür seien Veranstaltungen dieser Art eine gute Gelegenheit. Dem kann auch Heinrich Brüggemann nur beipflichten: "Podiumsdiskussionen wie diese sind Gold wert. Die sachkundigen Anregungen aus dem Publikum sind wichtige Impulse für die künftige Gestaltung des Nahverkehrs im Rheinland."

Video

Bahnexperten und Leserinnen und Leser waren sich bei der Podiumsdiskussion beim Kölner Stadt-Anzeiger einig: „Solche Veranstaltungen sind Gold wert und bringen den Nahverkehr in NRW voran.“ Der Film fasst den Abend im Kölner studio dumont nochmals zusammen:

Bildergalerie

Lebhaft diskutiert wurde bei der Podiumsdiskussion beim Kölner Stadt-Anzeiger am 24. November 2015. Die Bildergalerie mit Impressionen des Abends:

  • Jürgen Fenske (l.) im Gespräch mit Heinrich Brüggemann.
  • Austausch zwischen Politik und Fahrgast: NRW-Verkehrsminister Groschek und Hans-Werner Ignatowitz.
  • Auf dem Podium (v.l.): Moderator Christian Hümmeler, NRW-Verkehrsminister Michael Groschek, Dr. Norbert Reinkober (NVR), Jürgen Fenske (KVB) und Heinrich Brüggemann (DB Regio NRW).
  • Rund 120 Leserinnen und Leser nahmen an der Podiumsdiskussion teil.
  • Minister Groschek forderte in seinem Statement den Ausbau des Bahnknotens Köln.
  • Rund 120 Leserinnen und Leser nahmen an der Podiumsdiskussion teil.
  • Jürgen Fenske sprach über die Situation im Kölner ÖPNV.
  • Auf dem Podium (v.l.): Moderator Christian Hümmeler, NRW-Verkehrsminister Michael Groschek, Dr. Norbert Reinkober (NVR), Jürgen Fenske (KVB) und Heinrich Brüggemann (DB Regio NRW).
  • Michael Schröder, Geschäftsführer von trans regio, war als Experte im Publikum eingeladen.
  • Hans-Werner Ignatowitz vom Fahrgastverband PRO Bahn nahm Stellung aus Bahnkundensicht.
  • Die Leserinnen und Leser im Publikum gaben nützliche Anregungen und regten die Diskussion mit ihren Fragen an.
  • Die Leserinnen und Leser im Publikum gaben nützliche Anregungen und regten die Diskussion mit ihren Fragen an.
  • Die Leserinnen und Leser im Publikum gaben nützliche Anregungen und regten die Diskussion mit ihren Fragen an.